Der Alltag einer Familienhelferin

Täglich beginnt mein Einsatz um 8 Uhr in der Frühe. Dann erwartet mich schon die erste Patientin zuhause und möchte meine Unterstützung und meine Hilfe beim Waschen, Haare kämmen und beim Anziehen haben. Selbst das Schmuckanziehen ist ein tägliches Ritual. Denn ohne Schmuck fehlt auch unserer Patientin etwas.
Nach einem kurzen Gespräch geht es dann weiter zur nächsten Patientin, welche schon sehnsüchtig auf ihr Frühstück wartet. Die frischen Brötchen vom Bäcker um die Ecke bringe ich schon mit. Die Frau ist schon vom Pflegedienst versorgt worden; den häuslichen Teil übernehme ich nun im Namen des Familien‑ und Krankenpflegevereins. Danach schreiben wir gemeinsam den Einkaufszettel; er hilft den Zivis einmal in der Woche beim Einkaufen.
Dann noch den Mittagsessensplan für den Menüservice ausfüllen und schon schwinge ich mich wieder auf mein Fahrrad und fahre in die nächsten Straßen von Pesch und Umgebung. Mittlerweile geht es schon auf Mittag zu.

Diesmal gebe ich wirklich nur eine helfende Hand. Diese Patientin hatte einen Schlaganfall und muss nun wieder mobil gemacht werden. Sie wartet immer pünktlich auf mich, selbst der Hund weiß immer Bescheid, wenn ich mit dem Fahrrad um die Ecke fahre. Wir gehen ca. eine Stunde spazieren, an manchen Tagen auch zur Bank oder zum Friseur und reden über das Neueste aus Pesch und über unser bisheriges Leben. So baut sich dann in Kürze ein recht familiäres Miteinander auf.
Man erlebt täglich neue Dinge, die einem Freude bereiten. So ist es auch an den Tagen in der Woche, an denen ich noch zusätzlich zu denen gehe, die nur einmal die Woche gebadet werden. Die Freude über mein Kommen ist immer da, egal ob früh oder spät. Am Badewannenrand wird ein Schwätzchen gehalten, Spaß gemacht und auch herzhaft gelacht. So werden manche Patienten mindestens einmal in der Woche von uns richtig verwöhnt.
Teilweise haben die Patienten wenige oder gar keine Angehörigen, und darum ist der Austausch und das miteinander Sprechen genauso wichtig wie vieles andere. Es macht sehr viel Spaß, man erlebt täglich neue Situationen und, wenn manche Patienten aus dem Nähkästchen plaudern, bekommt man viel zu hören, was vor 50 Jahren und noch früher gewesen ist. Sie sind zufrieden ‑ na ja, ich hoffe zumindest, dass alle Patienten zufrieden sind.
Dann gehe auch ich nach Hause zu meiner Familie, erledige dort noch meine Arbeiten und bin schon gespannt, was mich am nächsten Tag erwartet.
U. D.