Fitnesstraining im Alter

Treiben Sie noch regelmäßig Sport? ‑ Ja? Gut, sogar sehr gut! Nein? Gar nicht gut! Warum treiben Sie keinen Sport mehr? Die Gelenke tun vielleicht weh, die Beine sind schnell müde und das Herz spielt auch nicht mehr so mit. Verständlich, dass Sport dann schwer fällt, aber regelmäßige Bewegung, regelmäßiger Sport ist in diesem Fall nicht das Problem, sondern die Lösung.

 

Warum dies, fragen Sie sich als Laie vielleicht. Ganz einfach. Etwa ab dem 25. Lebensjahr verliert der Körper kontinuierlich Muskulatur und damit gleichzeitig an Leistungsfähigkeit, wenn man nicht körperlich schwer arbeitet oder Sport treibt. Frauen verlieren ca. 0,8 % und Männer durchschnittlich 1 % pro Jahr. Zunächst merkt man hiervon nichts oder nicht viel. Arme und Beine werden peu à peu etwas dünner, das Bäuchlein dafür etwas größer. Die Muskulatur ist aber das, was uns alle durch das Leben trägt. Ohne Muskeln sinkt die Wirbelsäule in sich zusammen, der Rücken wird rund, die Bandscheiben bereiten früher oder später Probleme. Rückenschmerzen sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Gelenke werden instabil und damit verschleißen die Gelenkknorpel schneller oder die Beweglichkeit lässt nach. Typische Schmerzen bereiten dann z. B. die Knie beim Aufstehen aus dem Sessel oder nach knienden Tätigkeiten im Garten. Die Arme können oft nur noch unter Schmerzen über Kopfhöhe geführt werden, so dass es schwer ist eine einfache Tasse aus dem Hängeschrank in der Küche zu nehmen.

 

Jetzt denken Sie bestimmt, wie soll ich Sport machen, wenn Schultern, Rücken und Knie schmerzen. Zugegeben, es fällt anfangs vielleicht schwer, aber regelmäßiger Sport ist die Chance, den Beschwerden zu Leibe zu rücken. Auch mit 70 und mehr Jahren ist Sport, ist Muskel‑, Kreislauf‑ und Koordinationstraining noch sinnvoll und wirksam.

 

Vor allem das Beintraining ist von besonderer Bedeutung, denn mit kräftigen Beinen fällt das Gehen und Treppen steigen leichter und die Sturzgefahr nimmt deutlich ab. Gleichzeitig verbessert sich die Knochendichte, und damit sinkt z.B. die Gefahr von Oberschenkelhalsbrüchen.

 

Da Knorpel keine Blutgefäße enthält, müssen Gelenke zur Nährstoffversorgung regelmäßig bewegt werden. Bei Bewegung produziert der Körper sog. „Gelenkschmiere", die den Knorpel mit Nährstoffen versorgt. Bei regelmäßigem Beintraining regenerieren sich daher die Knieknorpel und Schmerzen nehmen ab. Außerdem ermüden die Beine nicht mehr so schnell und Kreislauftraining ist wieder problemlos möglich. Radfahren, Wandern und Walken machen wieder Spaß.

 

Wie fangen Sie jetzt mit Sport wieder an? Wichtig ist, dass Sie sich vor Beginn des ersten Trainings von Ihrem Hausarzt auf evt. Risiken untersuchen lassen. Gibt der Arzt grünes Licht, suchen Sie sich z.B. eine Sportgruppe in einem Fitness‑Studio in Ihrem Wohnumfeld und vereinbaren zunächst ein Beratungsgespräch mit einem Diplom-Sportlehrer oder einer ‑Sportlehrerin. Er bzw. sie wird mit Ihnen die Voraussetzungen, Bedürfnisse und Wünsche besprechen und ein entsprechendes Trainingsprogramm entwerfen. Danach trainieren Sie dann mit einem individuellen Übungsprogramm unter seiner/ihrer Anleitung ein‑ bis zweimal pro Woche oder nehmen an entsprechenden Gruppenkursen teil.

 

Wichtig ist immer, dass Sie Spaß an der Bewegung haben, denn nur dann treiben Sie regelmäßig Sport. Und sollten Sie der Meinung sein, Training im Fitness‑Studio sei nur etwas für junge Leute, kann ich Sie beruhigen. Der Altersdurchschnitt der im Studio Trainierenden steigt von Jahr zu Jahr, und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Trainierende im Rentenalter in Studios keine Ausnahme sind.

Hören Sie sich einfach einmal in Ihrem Bekanntenkreis um. Sie werden bestimmt jemanden finden, der bereits im Fitness-Studio trainiert.

 

Arno Meyer, Diplom-Sportlehrer

 

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