Ist persönliche Zuwendung noch bezahlbar?

Das Problem der Finanzierbarkeit von Zuwendung ist in der ambulanten Pflege nicht neu. Dabei sei die medizinische Pflege (Spritzen, Verbände etc.) ganz ausgeklammert. Auch in der grundpflegerischen Versorgung, die im günstigen Fall von der Pflegeversicherung teilweise oder ganz abgedeckt wird, existieren starre Zeitvorgaben, die die Pflegeperson einzuhalten hat. Sie hat dann kaum noch Zeit für persönliche Zuwendung in Form von einem Schwätzchen, Frühstückherrichten oder Ähnlichem. Um eine Finanzierbarkeit des Pflegesystems zu erreichen, bleiben wegen des Zeitdrucks der Pflegepersonen die persönlichen Bedürfnisse des Patienten und der Angehörigen oft auf der Strecke.

 

Kürzlich hat nun die Caritas die Zeitguthabenkarte eingeführt. Mit ihr kann der Patient für einen bestimmten Betrag eine bestimmte Zeitspanne kaufen, die er dann in seinem Sinne mit der Betreuungsperson der Caritas verbringen kann. Auch wenn dieses Lösungsmodell auf den ersten Blick etwas befremdlich erscheinen mag, ist es durchaus eine Möglichkeit, auf überschaubare und finanzierbare Art das Problem anzugehen.

 

Einen anderen Weg gehen die Familien‑ und Krankenpflege-vereine im Kölner Norden. Wir finanzieren uns zum großen Teil aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und vergleichsweise niedrigen Pflegebeiträgen der Patienten. Unsere Mitarbeiter vor Ort legen im persönlichen Gespräch einen Zeitraum fest, der den Bedürfnissen der Patienten entspricht. Ein Alzheimer‑Patient zum Beispiel braucht nun einmal mehr Betreuungszeit als eine gehbehinderte Person.  Die Bezahlung dieser „Mehrzeit“ hängt bei unserem Verein von den finanziellen Möglichkeiten des Patienten ab, ob er z. B. schon eine Pflegestufe bekommt oder andere staatliche Leistungen. Auch dies ein unschätzbarer Vorteil. Durch den Sozialbeitrag, den alle Mitglieder in Form ihrer Beiträge leisten, können wir auch in Notsituationen äußerst flexibel reagieren. So können wir - unseren Mitgliedern sei Dank - soziale Härten abfedern und trotzdem dem Patienten über die reine Pflegezeit hinaus persönliche Zuwendung schenken.

 

Angesichts der sozialen Härten des Systems muss es das Ziel der Pflege sein, den Patienten und die Angehörigen mit allen ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu rücken und ihre schwere Situation zu verbessern. So berechtigt der Blick auf die Finanzierbarkeit und Rentabilität der Systeme ist, so sollte doch der Mensch als Patient immer im Mittelpunkt stehen.

 

Bei allen Problemen, die die Pflegetätigkeit mit sich bringt, bin ich sehr froh, dass wir mehr für unsere Mitglieder tun können, als die Regelversorgung vorsieht - und das dank Ihnen.

 

Petra Rethmeier

 

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