Der gemeinsame Alltag mit demenzkranken Menschen II
Erste Voraussetzung, das Zusammenleben von Demenzkranken und ihren Angehörigen erträglich zu gestalten1), ist die Respektierung der Grundbedürfnisse des Kranken (s. Teil I). Dies geschieht, kurz gesagt, im Wesentlichen durch
- Wertschätzung: Der Demenzkranke2) erfährt, dass seine Fähigkeiten erkannt werden. Er nimmt im Rahmen seiner Möglichkeiten am Leben teil.
- geeignete Kommunikation: Der Demenzkranke erlebt Gemeinschaft und das Gefühl, dazu zu gehören, indem andere (Angehörige, Demenzbegleiter etc.) mit ihm in Kontakt treten. Hierbei sind Mimik und Gestik (non-verbal) ebenso wichtig wie das Gespräch (verbal).
- Beschäftigung: Er erlebt, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten noch etwas tun kann.
- feste Bezugspersonen und eine feste Tagesstruktur: Er fühlt sich wohl in vertrauter Umgebung und mit vertrauten Menschen. Er verlässt sich auf z. T. lebenslange emotionale Bindungen. Eine Struktur seiner täglichen Tätigkeiten gibt ihm Sicherheit und Orientierung.

Nicht der demenzkranke Mensch muss sich auf uns einstellen, wir müssen uns auf ihn einstellen. Folgende Verhaltensweisen können Ihnen dabei helfen:
- Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung (wenn möglich).
- Stellen Sie Blickkontakt auf Augenhöhe her.
- Versuchen Sie, die Gefühlsbotschaft, die hinter einer Aussage verborgen ist, herauszufiltern und anzusprechen.
- Sprechen Sie oft von Ihren Gefühlen; das Herz wird nicht dement; auf der Gefühlsebene bleibt der Kranke erreichbar.
- Bestehen Sie nicht darauf, dass Sie Recht haben.
- Diskutieren Sie nicht: das Verhalten des Kranken entspringt keiner rationalen Überlegung, sondern ist Ausdruck der Krankheit.
- Fragen Sie nicht nach dem Warum, sondern sprechen Sie eher die Gefühle des Kranken an.
- Sprechen Sie nicht im Beisein des Demenzkranken über ihn in der dritten Person: er bekommt dies mit! Würde Ihnen das gefallen?
- Sprechen Sie mit ihm über nahe liegende, alltägliche Dinge der Gegenwart oder über die weiter zurückliegende Vergangenheit, über Dinge, die er immer geliebt hat.
- Bedenken Sie, dass Ihre Anwesenheit und Nähe für die Kranken oft das Wichtigste sind. Halten Sie auch gemeinsames Schweigen aus.
Weitere Hilfestellungen bekommen Sie jederzeit von unseren Demenzbegleiterinnen vor Ort. Scheuen Sie sich nicht,
rechtzeitig um Rat und Tat zu bitten. Muten Sie sich nicht zu viel zu! Sie sind nicht unbegrenzt belastbar. Wir sind für Sie da und werden Ihnen zur Seite stehen. (Fortsetzung
folgt.)
Br. Hergersberg3)/K.-H. Holtheuer
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1)Auch dieser Beitrag greift die Gedanken auf, welche die Diplom-Heilpädagogin Susanne Bokelmann) bei einer FKV-Informations-veranstaltung am 2. Juli 2010 vortrug.
2)Natürlich sind hier und im Folgenden immer auch weibliche Demenzkranke mitgemeint.
3)Frau Hergersberg (Foto) leitet auch den Einsatz der 11 in Demenzbegleitung fortgebildeten FKV- Familienhelferinnen.